Die Maklerin

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    • Die Maklerin

      Sie war jetzt 34 und hatte bereits das Gefühl, dass das Leben halb vorbei war. Das sagte sie natürlich niemandem. Niemand hätte sie verstanden. Sie war eine groß gewachsene, schlanke Frau mit natur blonden Haaren, geheimnisvollen grünen Augen, weichen Lippen, kleinen festen Brüsten und einem wohlgeformten weiblichen Hintern. Kurz gesagt, sie war eine Schönheit. Sie arbeitete als Immobilien-Maklerin und ihr Mann war ein erfolgreicher Anwalt, der sie liebte. Gemeinsam besaßen sie ein traumhaftes Haus. Eigentlich hatte sie also keinen Grund sich zu beschweren. Dennoch war in den letzten drei Jahren ein Gefühl immer stärker in ihr hervorgekommen. Nämlich eines der Leere. Der Alltag hatte sich eingeschlichen. Und je mehr sie an den Verlauf ihres bisherigen Lebens dachte, desto stärker merkte sie, dass sie eigentlich nie richtig gelebt hatte. Sie hatte schon als Kind immer alles bekommen was sie wollte. Sie wuchs behütet auf und stellte selbst als jugendliche nie etwas an. Auch jetzt als Erwachsene war sie eigentlich immer anständig und ging nie ein Risiko ein. Selbst beim Sex mit ihrem Mann war sie eher zurückhaltend, nicht experimentierfreudig, fast bieder. Doch jetzt merkte sie, dass ihr etwas fehlte. Irgendetwas, das sie aus ihrem Dornröschenschlaf erweckte.

      Doch jetzt im Moment musste sie diesen immer häufiger aufkeimenden Gedanken schnell loswerden. Sie hatte um 15:30 Uhr eine Wohnungsbesichtigung mit einem Interessenten und war bereits spät dran. Schnell zog sie ihr Kleid an und band sich ihr langes Haar zu einem Dutt. Das machte sie bei Geschäftsterminen meistens, weil sie der Meinung war, so einen möglichst seriösen Eindruck zu machen. Sie schnappte noch schnell die Autoschlüssel und verließ rasch das Haus.

      Er wartete bereits vor dem Eingang der Eigentumswohnung, die sie ihm zeigen wollte, als sie mit 15-minütiger Verspätung eintraf. „Sie wollen bestimmt die Wohnung besichtigen“ sagte sie, als sie auf ihn zuging. Er nickte freundlich. „Es tut mir furchtbar leid, der Verkehr war die Hölle“ log sie. Er streckte seine Hand zur Begrüßung aus und stellte sich vor. Erst jetzt bemerkte sie, wie attraktiv der Mann war, der vor ihr stand. Er war groß, hatte schwarzes kurzes Haar, blaue Augen, ein markantes Gesicht mit 3-Tage-Bart und hatte einen muskulösen, schlanken Körper. Kurz verschlug es ihr die Sprache.
      Die Wohnung war alles andere als günstig, er musste also ziemlich gut verdienen. Doch so kleidete er sich nicht. Er trug Jeans, die an den Knien zerrissen waren, ein Shirt mit irgendeinem Vintage-Aufdruck und eine Lederjacke. Er hätte perfekt in eine dieser alten Coca-Cola light Werbungen gepasst, dachte sie bei sich.

      Einen kurzen Moment starrte sie ihn einfach an. Dann fing sie sich und wurde ein wenig rot, weil es ihr peinlich war, dass er sie so aus der Fassung brachte. Sie sperrte eilig die Türe auf und bat ihn, ihr zu folgen. Die Wohnung lag im 5. Stock und war ca 100m² groß. Sie begann ihn herumzuführen und versuchte ihre gewohnte Arbeitsroutine zu finden, doch sie bemerkte die Unsicherheit in ihrer eigenen Stimme. Sie fragte sich, ob er merkte, wie nervös sie war. Aber wenn, ließ er es sich zumindest nicht anmerken. Er hörte ihr aufmerksam zu, nickte hin und wieder und lächelte freundlich. Sein Lächeln brachte sie jedoch noch mehr aus der Fassung. Sie wurde schon fast ein bisschen wütend auf sich selbst, weil sie sich vorkam wie ein kleines Schulmädchen, das einen Filmstar anhimmelt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von UnderYourCommand ()